STEFAN BARTH | Mystery

Stefan Barth

S1 E10 | Staffel-Finale: Der erste Tag (Teil 2)

Das Erbe der Survivors.

11.01.2026 21 min

Zusammenfassung & Show Notes

115 Tage im Tiefschlaf. Das Ziel ist erreicht, doch die Heimat ist nur noch ein lebloses Rauschen im Äther. Während Ka-iil versucht, in der Stille der neuen Welt Fuß zu fassen, hütet er ein Geheimnis, das die Direktiven der Mission sprengt.
Mit dieser Episode schließen wir Staffel 1 von Stefan Barth | Mystery ab. Ein Ende, das gleichzeitig die Frage nach unserem wahren Ursprung aufwirft – und den Weg ebnet für alles, was folgt.

In dieser Episode:
  • Die Landung auf dem neuen Planeten.
  • Das Protokoll der Auslöschung.
  • Der Neuro-Chip und die verbotene Erinnerung.
  • Der Twist: Woher wir wirklich kommen.
HINWEIS: Dies ist die letzte Folge der ersten Staffel. Ich verabschiede mich in eine kurze Produktionspause, um die Frequenzen für den Relaunch neu zu ordnen. Wir hören uns bald wieder – in einer neuen Ära der Immersion.
Bleibt auf Empfang.
Credits:
  • Text & Stimme: Stefan Barth
  • Produktion & Inszenierung: Stefan Barth
  • Cover-Design: Stefan Barth mit kluger, künstlicher Unterstützung
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Transkript

Moritz: Stefan Barth Mystery. Hi. Schön, dass ihr da seid. Zum großen Staffelfinale. Stefan Barth: Ich bin Stefan Barth. Wer die letzte Episode nicht gehört hat, dem empfehle ich, die vielleicht vorher zu hören, Denn das war der erste Teil der Geschichte, die wir heute zu Ende bringen. Für die mit wenig Zeit hier die kurze Zusammenfassung. Wie geht es also weiter? Die Reise der Crew der Survivor. Wie geht sie aus und was bleibt am Ende von einer ganzen Zivilisation wirklich übrig? Hier ist der zweite und letzte Teil von Der erste Tag. A-raan aktivierte den Schließmechanismus der Luke und vergewisserte sich am Touchscreen neben der Tür, dass alle Besatzungsmitglieder an Bord waren. Bumm. Die Druckwelle der Explosion unmittelbar vor dem Raumschiff brachte jeden zu Fall, der aus Fleisch und Blut war und der gleißende Lichtblitz hinter dem Bullauge hätte einen Menschen minutenlang erblinden lassen. Nicht A-raans Problem. Boarding completed. Rief er in Richtung Brücke und joggte los. Eine joggende KI-Einheit, vollgestopft mit all den Daten, die nötig sind, etwas von dieser sterbenden Welt zu konservieren. A-raans Aufgabe, auf einem neuen Planeten die genetischen Uploads an dort heimischen Primaten durchzuführen, alle Spuren zu beseitigen und den Stecker zu ziehen. Alarm! Notstart! Tönte es aus den Bordlautsprechern. Ka-iil drehte sich in seinem Pilotensessel um einhundertachtzig Grad in Richtung der automatischen Tür. In den wenigen Sekunden bis zum Start würde die Brücke hermetisch abriegeln. Wo zur Hölle bleibt die Blechdose auf zwei Beinen? Das rote Licht kleiner Rundumleuchten in den Ecken an der Decke spiegelte sich an den Metallwänden des Raumschiffs das bedrohliche Szenario. Außerhalb des Schiffs war durch die gläserne Fensterfront wie auf einer Kinoleinwand zu sehen. Obwohl es Nacht war, erhellten Explosionen immer wieder die Dunkelheit. Schwarze Rauchschwaden breiteten sich auf dem gesamten Raumhafen aus. A-raan, wo bleibst du? Ich mache gleich die Schotten dicht. Dann kannst du deinen KI-Arsch von außen an der Tür festschweißen. Keine Reaktion. Die künstliche Intelligenz des Notfallsystems errechnete im fünf Sekunden Takt die Startbedingungen und übernahm bei siebenundvierzig Prozent Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Start das Kommando. Zehn Sekunden bis zum Notstart. Türen werden geschlossen. Neun, acht, sieben. Ka-iil checkte noch einmal den Sauerstoff- und Treibstoffgehalt und schnallte sich dann in seinem Sitz fest. Sechs, fünf, vier. Die Besatzung würde nach einem gelungenen Start bis zum Ende der Reise in einen Schlafzustand versetzt werden, um die Zeit zu überbrücken und Ressourcen zu sparen. Diesen Job sollte eigentlich A-raan übernehmen. Drei, zwei... Das Zischen der hydraulischen Türen, die sich automatisch aus dem Türrahmen drückten, ließen Ka-iil herumfahren. A-raan hatte es in letzter Sekunde auf die Brücke geschafft. Eins... klack, klack, klack. Der Zugang zur Brücke war verriegelt. A-raan machte einen großen Schritt nach rechts und stellte sich rücklings zur Wand, in einer Art Auslassung, die die Form eines menschlichen Umrisses hatte und als Interface und Ladestation diente. Klack. Klack. Umklammerungen für Arme und Beine schossen aus der Wand und hielten den zweihundert Kilogramm Androiden fest, damit er während des Starts der Schwer- und Schubkraft trotzen konnte. Alle Besatzungsmitglieder schafften es rechtzeitig in den Sitz, bevor das Raumschiff durchstartete und zum letzten Mal von diesem Planeten abhob. Als Ka-iil und seine Crew einhundertfünfzehn Tage später in den Orbit des Zielplaneten einschwenkten, war ihr Heimatplanet bereits vierzehn Tage ohne nennenswerte Atmosphäre. Doch davon hat die Besatzung auf ihrer Reise nichts mitbekommen. Erst als die Landetriebwerke automatisch abschalteten, holte die Schiffs-KI die Passagiere mit einem Adrenalin-Cocktail intravenös über die Armlehnen aus dem Tiefschlaf. Eine Geräuschkulisse aus Reizhusten, Gähnen, Schnaufen und Stöhnen war zu hören und kündigte an, dass es den Besatzungsmitgliedern gut ging. Noch bevor die Bestätigung über die Lautsprecher kam: Gesamte Crew ist stabil. Vitalzeichen im Normbereich. Ka-iil rieb sich kurz die Augen und tippte dann einen Befehl in die virtuelle Konsole vor seinem Sitz. Pfum. Danach absolute Ruhe. Der Antrieb, die Bordelektronik waren jetzt ausgeschaltet. Die Besatzung verharrte in ihren Sitzen. Eine quälende Minute lang. So hatten sie es verabredet, bevor sie den Planeten verließen, der nun nicht mehr existierte. A-raan nickte und gab damit das Zeichen, dass die Schweigeminute vorüber war. Mit einer Handbewegung reaktivierte Ka-iil die Stromversorgung. Mit einer Fingergeste startete er einen letzten obligatorischen Ruf. Mission Control. Hier ist die Survivor. Hören Sie mich? Das weiße Rauschen aus den Bordlautsprechern beantwortete die Frage. Können Sie mich hören? Mission Control. Nach einer qualvollen weiteren Minute tippte Ka-iil mit zwei Fingern unsanft auf das Display. Das Rauschen verschwand und alle Luken und Türen des Raumschiffs öffneten sich und beendeten die furchtbare Situation. Tja, dann schauen wir uns mal unser neues Zuhause an! Vier Minuten. Verdammt, warum bekomme ich keine Verbindung? In diesem Moment meldete sich Ka-iils Vater auf dem Tablet. Der Pilot brachte die Drohne in der Luft zum Stehen, um die Geräuschkulisse auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Das Videobild ruckelte, aber Ka-iil konnte erkennen, wie ein Soldat in Schutzmontur vor der offenen Verschalung des Generators am Sockel des Obelisken hockte und darin herumschraubte. Drei Minuten. Junge, wir haben es gleich geschafft! Hörte Ka-iil seinen Vater, leicht abgehakt, der jetzt im Bild zu sehen war, wie er ein Treppenhaus nach oben rannte. Ich hole deine Familie da raus. Eine Spezialeinheit entschärft gerade die Bombe. Zwei Minuten. Das Bild fror ein, aber Ka-iil hörte, wie sein Vater an einer Tür hämmerte. Seid ihr da drin? Großvater? Als Ka-iil die Stimme seiner Tochter erkannte, schluckte er und atmete tief ein. Mittlerweile hatte sich auch die Bildübertragung stabilisiert und er konnte sehen, dass es seiner Frau und seiner Tochter und seinem Vater gut ging. Vier Sekunden. Drei, zwei, Eins. Es blieb still. Ka-iil überzeugte sich vorsichtshalber davon, dass die Verbindung nicht abgerissen war. Dann hörte er seine Familie erleichtert lachen. Gott sei Dank. Keine Explosion. Ka-iils Vater wollte trotzdem keine Zeit verlieren und seine Enkelin und Schwiegertochter in Sicherheit bringen. Warte, Großvater! Rief Ka-iils Tochter. Ich brauche Echse und Papis Buch. Sie lief zurück in die Wohnung und kam mit einer Stofftier-Echse im Arm und einem kleinen, in Leder eingebundenen Buch in der Hand zurück. Was hat es mit diesem Buch auf sich? Fragte Ka-iils Vater. Das hat mir Papa geschenkt, damit ich all das aufschreiben kann, was mir wichtig ist, antwortete seine Enkelin. Es wird mir jederzeit sagen, wer ich bin und wohin ich gehöre. Die Behausungen auf dem neuen Planeten waren schnell bezogen. Die Nähe zur Sonne reichte aus, um die Siedlung ohne Aufwand mit Energie zu versorgen. Es war alles bestens vorbereitet und jetzt schon genügend Vorräte und Material vorhanden, um den Selbsterhaltungszyklus der kleinen Gemeinschaft sicherzustellen. Die Umgebung gab reichlich Ressourcen her und es gab fruchtbaren Boden, der schon vor ihrer Landung durch Agrarbots vollautomatisiert bestellt wurde. Penibel hatten die Ingenieure darauf geachtet, dass Eingriffe in die Natur minimal und reversibel blieben. Ka-iil bemerkte, wie ruhig es jetzt am Abend auf dem Gelände geworden war. Doch umso genauer er hinhörte, umso lauter wurde es wieder. Eine akustische Täuschung. Seine Ohren hatten sich in die Stille gewöhnt und die fremde Welt bot ihm ein Konzert aus Klängen der Nacht und der wilden Natur. Das leise Surren aus dem Klimagenerator über dem Eingang seiner Wohnbaracke kämpfte ordentlich an gegen die Soundcollage, die Wind, Flora und Fauna in der angehenden Dunkelheit fabrizierte. Fasziniert wanderte Ka-iils Blick über die dichten Baumkronen der grünen Wälder, die das Lager säumten. Solche gab es auch mal auf seinem Heimatplaneten, ging ihm durch den Kopf und er bildete sich ein, eine melancholische Melodie in der Ferne zu hören. Tief atmete er ein und war dankbar über die frische, saubere Luft, die eine Weile in seinen Lungen behielt, um sie auszukosten. Ka-iil legte das Foto zurück in sein kleines Buch. Es war mittlerweile so dunkel geworden, dass er sowieso nichts mehr darauf erkennen konnte. Eigentlich brauchte er es gar nicht, denn das Abbild seiner Frau und seiner Tochter und die Erinnerung an diesen wunderbaren Moment hatten sich so tief in sein Gedächtnis gegraben, dass er, sobald er die Augen schloss, die beiden sehen konnte, als stünden sie vor ihm. Ein verdrängter, dunkler Gedanke kam Ka-iil wieder ins Bewusstsein. Ka-iil war beruhigt. Sein Vater hatte die Familie rechtzeitig gerettet. Sie hatten verabredet, dass sie sich an der Basis treffen würden. Ka-iil lehnte sich zurück und schaute in den Sonnenuntergang. Was für ein wunderbarer Anblick. So hoch in den Wolken. Eine gewaltige Explosion riss Ka-iil aus seinen schönen Gedanken. Der weiße Blitz am Horizont verstellte den Blick auf die untergehende Sonne und verwandelte sich in einen hässlichen, großen Pilz. Die hässliche Botschaft, die dieser brutal und fast lautlos vermittelte: Alles Leben im Umkreis wurde gerade für immer ausgelöscht. Es war ein hinterhältiger Terrorakt mit zwei Bomben und ein Täuschungsmanöver gewesen, das alles veränderte und beschleunigte. Die wenigen nur schwelenden Konflikte eskalierten nun auch und Anarchie zerstörte den letzten Zusammenhalt und damit auch jegliche Grundlage für ein zivilisiertes Zusammenleben. Ka-iil hatte seine komplette Familie, die er Sekunden vorher noch in Sicherheit wusste, in einem einzigen Augenblick verloren. Was von ihr übrig blieb, stand am Tag nach dem Anschlag in einer Metallbox auf seinem Schreibtisch in der Basis. In der Box lag ein Ehering. Die Erkennungsmarke von Ka-iils Vater und ein kleines, ledergebundenes Buch. Die klare, saubere Luft des neuen Planeten hatte sofort eine reinigende Wirkung auf Ka-iil. Er hatte längst vergessen, wie es war, seinen Gedanken nachzugehen, seine Gefühle zuzulassen. Hier in der Neuen Welt hatte er endlich Zeit. Zeit, die er benötigte, um zu trauern. Er betrachtete das kleine Büchlein, das er immer noch fest umklammerte. Die Trauer suchte sich ihren Weg nach draußen. Er ließ es zu und weinte minutenlang, bis er sich tatsächlich besser fühlte. Ka-iil hörte Schritte in der Dunkelheit. Sie wurden lauter. Jemand näherte sich sehr schnell. So läuft nur ein Android im beschleunigten Modus, dachte Ka-iil. Was will der Blechkasten von mir? A-raan stoppte in gebührendem Abstand. Sein Empathiemodus hatte sich eingeschaltet, als er beim Umgebungsscan die getrockneten Tränen auf Ka-iils Gesicht entdeckt hatte. Ich kann gerne auch morgen wiederkommen, wenn es gerade nicht passt, rief er aus der Entfernung. Ka-iil wehrte ab. Schon gut. Worum geht's? Im Protokoll steht, dass wir vor Abschluss der Uploadzyklen sicherstellen müssen, dass alles Physische vernichtet wird, was das Projekt gefährden könnte. Die Programmierung der Janus-Familie DNA beginnt morgen Mittag. Die Prämisse muss sein, dass Humanoide, die mit Janus-Erbgut hier geboren werden, ihren eigenen Weg gehen. Keine Beweise für unsere Existenz. Keine Technologien, keine Bücher mit Informationen, dass wir je existiert haben. Ich weiß das, A-raan. Warum erzählst du mir das? Unterbrach Ka-iil den Androiden. A-raan streckte seine Hand aus und sagte eindringlich: Gib mir dein Buch. Aber ich kann dir das Buch nicht geben. Es ist das Tagebuch meiner Tochter. Ka-iil saß ruhig auf seiner Bank und wartete darauf, welche Antwort das Empathieprogramm des Androiden ausspucken würde. A-raan hatte es vor ein paar Sekunden deaktiviert und spulte in einer monotonen Sprechweise sein Sicherheitsprotokoll ab, das Ka-iil längst kannte, da er es selbst mitverfasst hatte. Meine wichtigste Direktive für diese Mission lautet, alle Aufzeichnungen aus der Alten Welt zu vernichten, die Einfluss auf die Entwicklung der Neuen Welt haben könnten. Dazu zählen private Aufzeichnungen. Dieses Sicherheitsprotokoll wurde verfasst, da alle Algorithmen zu der Erkenntnis kamen, dass sich eine Katastrophe wie auf unserem Heimatplaneten wiederholen könnte, würden wir unsere Spuren nicht verwischen. Ka-iil stand von der Bank auf, gab A-raan das Buch und klopfte ihm auf die Schulter. Ich weiß, mein alter Blechfreund. A-raan steckte das Büchlein ein und sagte nichts. Er blickte in den Himmel und es sah einen Moment so aus, als würde auch er, eine Ansammlung elektronischer Bauteile, die Schönheit der neuen Welt genießen. Das Leben keine paar Millionen Jahre alt. Ganz am Anfang seiner Entwicklung. Umweltverschmutzung und Zerstörung durch humanoide Lebensformen würde es Jahrtausende nicht geben. A-raan? Willst du sie noch mal sehen? Unsere alte Kugel oder das, was davon übrig ist? Ka-iil ging in seine Unterkunft und kam mit einem Teleskop zurück. Nachdem er die Koordinaten über eine virtuelle Tastatur eingegeben hatte, schwenkte das Objektiv automatisch und zielsicher ins Firmament. Wir müssen auch jegliche Technik, die wir nicht unmittelbar zum Überleben brauchen, vernichten, ermahnte ihn A-raan. Ich weiß. Auch dieses Teleskop. Komm schon. Ein letzter Blick. Das holografische Bild der anvisierten Stelle am Firmament baute sich vor den beiden auf und gewährte einen scheinbar nahen Blick auf die alte Heimat, als wäre sie nur ein paar Augenblicke entfernt. Eine ockerfarbene, grün-dreckige Kugel zeigte sich dort, wo vor kurzem noch ein blauer Planet um seinen Stern zog. Sie war mal genauso schön wie dieser blaue Planet. A-raan nickte zustimmend und wünschte Ka-iil eine gute Nacht. Kann ich das Teleskop später noch zum Hexenplatz bringen? Gemeint war der Versammlungsplatz der Siedlung, wo bereits kistenweise Technik und Material zur Vernichtung bereitlagen. A-raan würde am nächsten Tag alles, was gegen die Direktive verstieß, vaporisieren. Als trauriges Finale würde er seinen Selbstzerstörungsmechanismus aktivieren. So sah es sein Programm vor. A-raan hielt noch mal inne, als Ka-iil ihm die Hand reichte. Mach's gut, mein alter Blechfreund. Dann marschierte er im gemäßigten Modus Richtung Hexenplatz. Ka-iil ging zurück zum Teleskop, schraubte die Seitenabdeckung ab und zog einen chromfarbenen, flachen Gegenstand heraus, der aussah wie eine Festplatte oder ein Smart Device. Dann setzte er sich wieder auf seine Bank vor der Baracke. Er zog ein paar herausgerissene Seiten des kleinen Büchleins aus der Tasche, die er vor A-raan versteckt hatte. Er blätterte sie durch bis zu einer Aussparung, die jemand in die Seiten geschnitten hatte. Ein Neuro-Chip war in der Aussparung versteckt, den Ärzte in seiner Welt dazu verwendet hatten, das komplette Bewusstsein von Individuen zu speichern, zum Beispiel während schwieriger Hirn-OPs. Superreiche, die nicht sterben wollten, nutzten diese Prozedur, um sich in junge, gesunde Körper verpflanzen zu lassen, wenn sie sterbenskrank wurden oder das Alter seinen Tribut forderte. Das war natürlich illegal. Das Bewusstsein der Körperspender wurde bei der Übertragung gelöscht. Letztendlich, um alle Spuren zu verwischen. Die Spender waren verzweifelt und kamen aus hochverschuldeten Familien. Sie gingen den Deal wegen des Geldes ein, damit wenigstens ihre Angehörigen ein unbekümmertes Leben führen konnten. Ka-iil schob den Chip in den schmalen Spalt in das chromfarbene Gerät. Mit dem Zeigefinger tippte er auf die breite, chromfarbene Fläche. Ein Hologramm baute sich auf. Es erschienen Daten, die automatisch von oben nach unten scrollen. Ein mobiler Neurotransmitter, der als Interface benutzt werden konnte, um Informationen in den neuronalen Cortex von Wirten und auf deren DNA Stränge zu schreiben. Ka-iil wischte mit seinem Zeigefinger über die Oberfläche. Die Zahlenreihen verschwanden und die Holografien einer Frau und eines Kindes wurden jetzt projiziert. Sie drehten sich um die eigene Achse. Ka-iil atmete tief ein und lehnte sich zurück. Er hatte das Neuroprofil seiner Frau und seiner Tochter aufgerufen, das sein Vater heimlich aufgenommen und auf diesem Chip abgespeichert hatte. Nach dem ersten Anschlag hatte er den Speicher in dem kleinen Lederbüchlein von Ka-iils Tochter versteckt. Zusammen mit einem Brief: Mein lieber Sohn. Ich weiß, dass ich dir nicht immer ein guter Vater war. Das kann ich nicht mehr ändern. Es macht mich glücklich, wenn ich deine kleine Familie sehe. Du hast so viel richtig und besser gemacht als ich. Es sind schlimme Zeiten und niemand kann voraussagen, was noch passiert. Vor ein paar Wochen habe ich bei einem Besuch Gehirnscans deiner Familie angefertigt. Unter einem Vorwand. Ich habe ihnen gesagt, ich sammle Daten für ein Experiment. Der erste Tag. Es war kurz nach Mitternacht. Ka-iil schmiedete einen Plan, wie er in das medizinische Gebäude schleichen könnte, um die Daten, das Bewusstsein seiner Frau und seiner Tochter auf die beiden Avatare übertragen zu können. Ka-iil dachte darüber nach, was er seiner Frau und seiner Tochter sagen würde, wenn sie das erste Mal in einer völlig fremden Welt in Avataren aufwachen würden. Er malte sich aus, wie der Rest des Survivor Teams reagieren würde. Ob sie ihn erst einmal in einen Geräteschuppen stecken würden und später nach einer Gerichtsverhandlung bestrafen würden? Vielleicht mit dem Tod. Es war ihm egal. Ka-iil hätte seine Familie zurück. Sie könnten ein neues Leben mit dem Bewusstsein ihres Alten beginnen. Ka-iil warf einen letzten Blick durch das Teleskop, bevor er es zum Versammlungsplatz brachte. Der ockerfarbene, tote Planet war alles, was von seinem früheren Leben übrig geblieben war. In ein paar Millionen Jahren würde er sich aufgrund von Wassereinlagerungen Rot verfärben und von den ersten zivilisierten Bewohnern dieser Welt einmal als vierter Planet im Sonnensystem entdeckt werden. Sie würden nicht mal wissen, dass ein Teil von ihnen dort einmal zu Hause war. Auf dem Roten Planeten, den sie Mars nennen würden. Das war der erste Tag. Ein Ende, das eigentlich ein Anfang ist. Denn mit dieser Folge schließen wir die erste Staffel offiziell ab. Zehn Episoden, die als Fear hoch zwei begannen und nun unter meinem Namen in die Mediathek kommen. Also nichts wird gelöscht, weder von der ersten Staffel noch was hören will. Gerne. Ich danke euch fürs Zuhören und dieser Podcast wird sicher ein wenig verändern. Wir verlassen in der nächsten Staffel den eher klassischen Erzählstil. Es wird ein bisschen rauer, vielleicht auch unmittelbarer und spontaner. Immersiver. Mein Versuch, mein Experiment ist es, tief einzutauchen in das, was ich die Epsilon-Resonanz nenne. Wir hören uns bald wieder in einer neuen Ära. Bis dahin. Ciao.

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